Boreliose: Symptome, Krankheitsverlauf und Behandlung

Geposted von Wilfried Gusset am

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Borreliose: Symptome, Krankheitsverlauf und Behandlung

Katharina Klein

 Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Infektionskrankheit Europas. Umso wichtiger, die Symptome zu kennen, zu behandeln und sich zu schützen. Unser Experte verrät, worauf es ankommt.

So harmlos ein Zeckenbiss auch im ersten Moment scheint, die Spätfolgen können gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Vor allem eine Infektion mit Borrelien kommt in Deutschland nach einem Zeckenbiss häufig vor.

Wir haben mit einem Experten gesprochen und verraten euch, was es mit einer Borreliose auf sich hat, bei welchen Symptomen ihr einen Arzt aufsuchen solltet, und wie man sich schützt.

Was ist Borreliose?

Die Borreliose wird von einer Gruppe nahe verwandter Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöst. Bekannt ist vor allem die Art Borrelia burgdorferi, benannt nach dem Entdecker des Erregers der Lyme-Borreliose.

"Jedes Jahr lösen Borreliose-Bakterien schätzungsweise zehntausende von Neuerkrankungen aus. Das klinische Bild umfasst vor allem Symptome der Haut, der Gelenke und des Nervensystems", erklärt Zeckenexperte PD Dr. med. Gerhard Dobler.

In Deutschland sind Borrelien die am häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheitserreger, ausgelöst durch einen Biss.

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Übrigens: Auch wenn der Begriff Zeckenbiss umgangssprachlilch geläufig ist, ist aus wissenschaftlicher Sicht der Begriff Zeckenstich korrekt.

Experten begründen das damit, dass die Zecke ihre Opfer sticht und nicht beißt, da Zecken einen Stechrüssel haben.

Wie erkrankt man an Borreliose?

"Die Borreliose-Bakterien befinden sich im Darmgewebe der Zecke und werden ab einer Saugdauer von 12 bis 24 Stunden in die Einstichwunde übertragen", erklärt Dobler.

"Epidemiologische Studien zeigen, dass 50-100 Fälle von Borreliose pro 100.000 Einwohner in Deutschland auftreten. Ca 10-30 Prozent aller Zecken sind Borrelien-Träger. Aus diesen Daten kann geschätzt werden, dass vermutlich nur ca. 1-3 Prozent der Zeckenstiche zu einer Infektion führen" erklärt Dobler.

"Weiterhin wissen wir, dass die Borrelien in der Zecke erst ca. 15-24 Stunden nach dem Zeckenstich übertragen werden. Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls durch einen Zeckenstich übertragen wird, ist das Borreliose-Risiko in allen Teilen Deutschlands ähnlich hoch", ergänzt er.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken?

"Anders als bei FSME können bei der Lyme-Borreliose keine deutschlandweiten Risikogebiete definiert werden", erklärt Dobler.

Grund dafür sei, dass der 'Gemeine Holzbock', die Zeckenart, die die Borrelien in sich trägt, in ganz Europa lebe und die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zecke sei.

Borreliose: Symptome

Hat man sich mit Borrelien infiziert, treten die Symptome erst Wochen nach der Infektion auf. Das macht es oft auch so schwierig, den Zusammenhang zwischen einer Infektion nach einem Zeckenstich und den Symptomen zu erkennen.

Die Borrelioseerkrankung läuft in drei Stadien ab, die durch unterschiedliche Symptome gekennzeichnet sind:

  1. Lokales Frühstadium

Die typische Wanderröte, eine ringförmige Rötung rund um die Einstichstelle, deutet in den meisten Fällen auf eine Borreliose-Erkrankung hin.

Da es jedoch bis zu 28 Tage dauern kann, bis die Rötung zu sehen ist, sollte die Einstichstelle nach einem Zeckenbiss mehrere Wochen lang gut beobachtet werden.

Im frühen Stadium einer Borreliose werden neben der Wanderröte auch Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen beobachtet.

Danach können verschiedene Krankheitszeichen von starken Schmerzen über Herzprobleme bis hin zu einer Hirnhautentzündung auftreten.

Relativ häufig wird auch eine Gesichtslähmung beobachtet. Im Frühstadium kann eine Borreliose gut antibiotisch therapiert werden.

 

  1. Verbreitetes Frühstadium

Im verbreiteten Frühstadium sind verschiedene Organe betroffen. Unter anderem kann es an den großen Gelenken (vor allem Kniegelenke) zu einer Gelenksentzündung (Arthritis) führen.

Ist das Nervensystem betroffen, treten eine Gesichtslähmung oder eine Nervenwurzelentzündung oder eine Hirnhautentzündung auf. Auch eine Herz-Leitungsstörung oder eine Herzbeutelentzündung wurden in diesem Stadium beschrieben.

 

  1. Spätstadium

Wird die Erkrankung erst später diagnostiziert, können die Borrelien bereits bleibende Schäden verursacht haben.

Im chronischen Spätstadium treten oftmals chronische Gelenkentzündungen und -schäden auf. Auch Herzprobleme, Lähmungen und kognitive Beeinträchtigungen und eine sogenannte Zigarettenhaut können durch Borrelien verursacht werden.

Auch in diesem Stadium kann die Borreliose noch therapiert werden, allerdings lassen sich die chronischen Schäden nicht rückgängig machen.

Borreliose: So kannst du dich schützen

Um einer Borreliose-Erkrankung vorzubeugen, sollten Zecken schnellstmöglich entfernt werden. Die möglichst rasche Entfernung von Zecken kann auch verhindern, dass größere FSME-Virusmengen in die Einstichstelle abgegeben werden.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt Dobler folgende Vorsorgemaßnahmen:

  • Helle Kleidung tragen, die möglichst viel vom Körper, vor allem die Beine, bedeckt.
  • Die Hosenbeine in die Strümpfe stecken, damit Zecken nicht an die Haut gelangen. Außerdem sind die Blutsauger auf heller Kleidung schneller erkennbar und können rechtzeitig entfernt werden.
  • Anti-Insektensprays halten Zecken und Insekten für einige Stunden auf Abstand.
  • Wenn sich der Blutsauger dann doch auf den Körper setzt oder gar sticht, bleibt dies oft unbemerkt. Daher besonders wichtig: den Körper nach dem Aufenthalt in der freien Natur auf Zecken absuchen.
  • Beobachte einen Zeckenstich mindestens 28 Tage lang. Entdeckst du erste Symptome, wie zum Beispiel die für eine Ekrankung typische Wanderröte, zögere nicht und begib dich umgehend in ärztliche Behhandlung 

Borreliose behandeln

"Im Gegensatz zu FSME, die nicht mit Medikamenten behandelbar ist, gegen die aber eine Imfpung helfen kann, gibt es gegen Borreliose einen solchen Impfschutz bisher nicht – sie kann aber mit Antibiotika behandelt werden", erklärt Dobler.

Wichtig dabei ist es, die Erkrankung so schnell wie möglich zu erkennen und zu medikatieren, da in einem späteren Stadium chronische Schäden irreversibel sind.

 


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